Theatercompagnie
>fliegende fische>

Deutschlandradio Kultur, „FAZIT- Kultur vom Tage“

Live-Interview mit Hartmut Krug vom 20. Juni 2006 zur Premiere von "Götter Guru Germany" (Auszug)

 

 

„[...] Was die Gruppe gefunden hat, ist ein Geschichten-Erzähltheater, und sie schaffen es wunderbar auf einer leeren Bühne (der Hintergrund wird aus einem Vorhang von Lebensmittelsäcken gebildet, welche die regionale Werbung zeigen)

Geschichten zu erzählen, nur mimisch-gestisch.

Wie dort die Schauspieler nur akustisch und gestisch den Straßenverkehr mit allem Lärm und allen Dingen darstellen (von einer Beerdigung über eine Massenrikscha, über mit Handys telephonierende Menschen bis zu einem Streit und Ähnlichem), das bringt erst mal eine Farbe herein, zum Anderen wird aber immer wieder gefragt nach den Themen: Familie, wieso ist Familie so wichtig, während gleichzeitig ja die Auflösung passiert, auch in Indien.

[...]Es gibt mehrere Szenen, in denen auf unterschiedlichste Weise gezeigt wird, wie Menschen versuchen, in einer Welt, die von Kastendenken und einer unterschiedlichen Behandlung von Männern und Frauen bestimmt wird, zu Liebe und einer Familie zu kommen.

Und meine Lieblingsszene ist wirklich die, die auch sehr schön beschreibt, wie da gestisch und mimisch gearbeitet wird: die Geschichte einer nepalesischen Schauspielerin, die schwanger ist und davon erzählt, daß sie einen Mann aus einer höheren Kaste geheiratet hat, und deshalb dankbar sein kann, daß sie weiter Schauspielerin sein darf, auch wenn sie ihr Baby geboren haben wird;

die gleichzeitig aber eine Liebe zu einem Weißen empfindet, zu Einem aus der Theatertruppe (damit reflektiert die Theatergruppe auch ihre eigene Situation).

Aber das Baby, das sie im Bauch trägt, ist von einer anderen Schauspielerin gespielt, leibhaftig auf der Bühne.

Dieser Dialog  zwischen den Beiden über Vergangenheit und Zukunft und Emotionen der Frauen, ist etwas ganz Hinreißendes, es ist von so einer sinnlichen Kraft, wie ich es selten gesehen habe.“

[...]

 

Alles in Allem, wie Sie es beschreiben Herr Krug, ein außergewöhnlicher Theaterabend?

 

„Ja, das kann man deutlich sagen, und das Publikum war auch hell auf begeistert, hier in Mannheim. Also es gab einen Riesen-Applaus. Die Truppe wird auch noch weiter reisen, durch verschiedene deutsche Theater.“